Dass er mit Pannen, noch besser aber mit Protesten umgehen kann, ist bekannt. Von beidem gab Sigmar Gabriel bei seiner ersten Vorlesung an der Uni Bonn schöne Kostenproben – und profilierte sich en passant auch noch als "elder statesman". Die Kritiken für den Auftritt in der überaus stark vertretenen Presse fallen meist positiv für den Goslarer aus.

Bisweilen allerdings auch versehen mit Spitzen. "Der Vorleser ist zurück", titelt der NDR und die Welt greift Studenten-Proteste auf: ",Iran-Siggi' geht an die Uni". "Der Welterklärer" sei wieder da, konstatiert die Rheinische Post und die Wirtschaftswoche tituliert ihn ähnlich als "Genosse Welterklärer".

Dass der ehemalige Außenminister unter anderem eine europäische Strategie in der Syrien-Frage anmahnt und sich differenziert zum Russland-Konflikt äußert, geht da fast etwas unter. Dennoch, so die Frankfurter Rundschau, sei es eine "Lehrstunde praktischer Politik" gewesen.

"Gabriel wird ausgebuht – dann bringt er den Saal zum Lachen", überschreibt die HuffPost ihren Beitrag – für das Auditorium im Hörsaal bleibt zu hoffen, dass da vielleicht doch etwas mehr war. Tatsächlich aber hat Gabriel gleich zum Start die Lacher auf seiner Seite. Auf der Leinwand steht der Titel der Veranstaltung: "Deutschland in einer unbequem(er)en Welt". Gabriel hatte seinen Vortrag aber "Europa in einer unbequem(er)en Welt" überschrieben. Er nimmt es mit Humor: Der Fehler mache auf ein konkretes Problem aufmerksam. Deutschland und Europa, das würden gerade die Deutschen gern mal verwechseln.

Natürlich aber spitzen sich die Medien auf die Proteste gegen Gabriel und dessen gewohnt schlagfertige, aber auch gut begründete Konter. Die Welt baut ihren ganzen YouTube-Videobeitrag auf dieser Sequenz von rund anderthalb Minuten auf:


Wer mehr von der Antrittsvorlesung in bewegten Bildern und mit Ton erleben möchte, kann dies dank dem öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix, der ein Video von gut einer halben Stunde einstellt (WLan angeraten). (Foto: Screenshot)