Was ist denn da im Wald los? Ein Wildschwein läuft mit Grünzeug im Maul herum, ein Mufflon spaziert mit seinen imposanten Hörnern über einen Forstweg (Foto: Nationalpark), und eine Wildkatze führt zwei Junge aus: Die Bilder sind Beifang, die Tiere liefen nachts in die 120 Fotofallen, mit denen der Nationalpark von August bis Dezember 2017 Luchsen auf der Spur war.
In dieser Zeit entstanden 8131 Fotos von Tieren, die entspannt an den Kameras vorbei zogen. Auf
455 sind die scheuen Raubkatzen zu sehen. 18 Jahre nach dem Start des bundesweit einmaligen Wiederansiedlungs- und Auswilderungsprojektes erforscht der Nationalpark Harz weiterhin das Leben der Luchse. Jüngstes Ergebnis: Nirgendwo sonst im Harz leben so viele Pinselohren wie zwischen Wernigerode und Mansfeld. Der Nationalpark nimmt an, dass in diesem Gebiet
23 Luchse leben. Der Nordosten des Mittelgebirges gilt als vergleichsweise mild mit vielen offenen Wiesenflächen. „Das Gebiet ist nicht so schroff“, sagt Lilli Middelhoff, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Nationalparks. Dass in dem Bereich so viele Luchse, aber auch Wildkatzen leben, könnte mit einem guten Nahrungsangebot zu tun haben, vermutet der Nationalpark-Luchsbeauftragte Ole Anders. Möglicherweise liege das Gebiet aber auch dicht an anderen Luchs- und Wildkatzenvorkommen, sodass in diesem Bereich viele der Vierbeiner in eine der Fotofallen laufen, meint Anders.
Einige der Beifang-Bilder entlocken dem Betrachter ein Schmunzeln. Etwa die kecke Blaumeise, die vor eine Linse flattert; der junge Fuchs, der neugierig in die Kamera schaut; oder das Wildschwein, das mit Grünzeug im Maul umherläuft, als freue es sich über einen Blumenschmuck. Wahrscheinlicher ist indes, dass dem Borstenvieh beim Fressen von Wurzeln etwas Grünzeug im Maul hängengeblieben ist.


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