Per Stichwahl wird in Hannover am Sonntag der künftige Oberbürgermeister bestimmt. Nach der Schlappe der SPD im ersten Wahlgang fällt die Entscheidung zwischen dem Grünen-Kandidaten Belit Onay und dem CDU-Bewerber Eckhard Scholz. Beide hatten vor zwei Wochen mit jeweils 32,2 Prozent vorne gelegen, während Sozialdemokrat Marc Hansmann mit 23,5 Prozent die Stichwahl verpasste. Fest steht somit bereits, dass die SPD erstmals seit mehr als 70 Jahren in Hannover nicht mehr den Oberbürgermeister stellt. Rund 402 000 Einwohner sind wahlberechtigt, darunter auch 16- und 17-Jährige.

Auslöser der vorzeitigen Oberbürgermeisterwahl ist die Rathausaffäre um unzulässige Gehaltszuschüsse für Spitzenbeamte, die den bisherigen OB Stefan Schostok (SPD) nach einer Untreueanklage Ende April zum Rücktritt zwang. Ob und wann es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist noch nicht entschieden.

Ein ausgemachtes Rennen ist die Stichwahl nicht. Zwar wollten bei einer Umfrage 56 Prozent für den Grünen Onay stimmen und für den parteilosen Scholz, der für die CDU antritt, nur 44 Prozent. Bei der Umfrage aber blieben Unentschlossene außen vor. Eine Rolle dürfte auch die Wahlbeteiligung spielen. Im ersten Durchgang lag sie bei 46,5 Prozent.

Der Landtagsabgeordnete Onay (38) wirbt mit einer Verkehrswende und der Schaffung von mehr Zusammenhalt in einer bunten Stadtgesellschaft für sich. Scholz (56) betont seine Führungserfahrung als ehemaliger Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte in Hannover und will eine familienfreundlichere Stadt schaffen. Auch er möchte einen flüssigeren Verkehr, weniger Abgase und mehr Fahrräder in der Stadt. Anders als Onay will er aber die Autos nicht aus dem Kern der City verbannen.

Bei einem Sieg von Onay wäre Hannover nach Freiburg, Darmstadt und Stuttgart die vierte Großstadt, in der ein Grüner zum Oberbürgermeister aufrückt. Hannover wäre in dem Fall wohl auch die erste Landeshauptstadt mit einem Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund - Onay wurde als Kind türkischer Zuwanderer in Goslar geboren.