Heute ist Samstag, 1. August 2020. Sonnenaufgang war um 5.41 Uhr, bis zum Sonnenuntergang um 21.05 Uhr ist die Sonne heute 15:24 Stunden unterwegs.

Die deutsche Sprache, so wird gern kolportiert, ist eine schwere Sprache. Aber auch eine schöne Sprache, mochte ich anfügen – bis zum 1. August 1998. Da ist in den deutschsprachigen Ländern die Rechtschreibreform in Kraft getreten. Und dieses Inkrafttreten sollte man nicht mehr „infrage stellen“, bis der Duden die „alternativen“ und „empfohlenen“ Schreibweisen erfand, was man besser auch nicht mehr „in Frage stellen“ sollte.

Dabei können Bund und Länder zwar Regeln für Sprache und Rechtschreibung erlassen, Gesetzeskraft haben diese Regeln aber nicht. Bekräftigt wurde das 1998 durch die Bundestags-Reolution „Die Sprache gehört dem Volk“. Nur für Personen, die zum Staat in einem Sonderrechtsverhältnis stehen (Beamte, Richter, Soldaten, Studenten, Schüler), ist die Rechtschreibung bindend. Für diesen Personenkreis ist seither „Schluss mit Schluß“ ist (taz).

Ich dyrfte aalso schraiben vieh ich vill.  Manche Regeln habe ich zudem bis heute nicht verstanden, andere sind einfach nur hässlich wie die Dreierpacks in „Schifffahrt“ oder Baletttruppe“. Kein Wunder, dass auch die Witze, die um die Reform kursierten, nicht gerade die Brüller sind: „Was ist der Unterschied zwischen Johannes dem Täufer und einem Toyota-Jeep? Nach der neuen Schreibweise eigentlich keiner: Beides sind Mehrtürer. Meertürer. Määrtyrer.“

Nun liegt die Reform 22 Jahre zurück, da hält man es am besten mit einem berühmten Satz aus der Operette „Fledermaus“, der zum geflügelten Wort wurde: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“.

Und letztlich passt in Zeiten der Emojis, des Deppen-Apostrophs und der den Bindestrich ersetzenden Großbuchstaben nur ein Wort Georg Christoph Lichtenbergs, einem Meister des Aphorismus: „Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere eine rechte Falschschreibung.“

Einen schönen Samstag und ein gutes Wochenende wünscht das GZ-Team!

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